Zumikon will das Dorfzentrum wieder beleben

Die Idee eines Coworking Spaces hat sich aus zwei verschiedenen Richtungen entwickelt. Einerseits soll der Dorfplatz wieder belebt werden, anderseits sucht die Gemeinde neue (Nutzungs-) Möglichkeiten für leerstehende Räumlichkeiten.

Coworking könnte für die Gemeinde Zumikon die Lösung sein für zwei Herausforderungen. Mit der Ansiedlung von zwei grossen Verkaufsstellen von Migros und Coop hat sich In den vergangenen Jahren im Quartier Waltikon eine Art zweites Dorfzentrum entwickelt. «Das spürt das ursprüngliche Dorfzentrum», sagt Thomas Kauflin, Gemeindeschreiber von Zumikon. Dieses ist noch geprägt vom lokalen Gewerbe: Apotheke und Blumenladen, Kinderkrippe und Coiffeur oder Arzt. Auch ein kleiner Coop, die Post und das Gemeindehaus stehen rund um den Dorfplatz. Doch nun droht er zu verwaisen. «Deswegen suchen wir seit einigen Jahren nach einer Möglichkeit, das eigentliche Dorfzentrum wieder attraktiver zu machen und zu beleben.» Als möglicher Lösungsvorschlag ist die Ansiedlun von zusätzlichen Arbeitsplätzen bereits vor einiger Zeit in die politische Diskussion eingeflossen. Bisher jedoch wurde sie nicht weiterverfolgt.

Sanierung oder Neubau?

Als zweiten Antrieb nennt Kauflin leerstehende Räumlichkeiten am Dorfplatz . Diese sind im Besitz von Privaten. Aber auch die Gemeinde besitzt grosse Räumlichkeiten wie das Gemeinschaftszentrum. Dieses liegt ebenfalls am Dorfplatz. Es ist eigentlich gut ausgestattet, verfügt über einen Gemeindesaal mit Grossküche, eine Lounge mit Kegelbahn, Sitzungszimmer und vieles mehr. Rund um das Gemeinschaftszentrum liegen das erwähnte Restaurant, der Optiker und der Blumenladen. «Doch das Gebäude aus den späten 1970er Jahren ist sanierungsbedürftig», sagt Kauflin. Die Gemeinde prüft nun, ob eine «einfache» Sanierung ausreichen wird, oder ob die Ansprüche an ein Gemeinschaftszentrum grundlegend zu überdenken sind. «In diesem Zusammenhang stehen derzeit sämtliche Optionen im Raum, von Sanierung bis zum Abbruch oder Neubau», sagt der Gemeindeschreiber.

Coworking als gemeinsame Lösung

Zusammen mit dem eher neuen Ansatz von Coworking hat der Gemeinderat in diesem Sommer die Herausforderungen diskutiert. Dabei ist von Bedeutung, dass in Zumikon sehr viele Arbeitstätige leben, die unter der Woche jeden Tag zur Arbeit fahren, ein Grossteil nach Zürich. «Für diese täglichen Pendlerinnen und Pendler könnte es sehr attraktiv sein, zumindest hin und wieder einen Arbeitsplatz direkt in ihrer Wohngemeinde nutzen zu können», sagt Kauflin. Um sich zu Hause dauerhaft einen Home-Office-Arbeitsplatz einrichten zu können, fehlt es häufig an Platz oder an der Kostenübernahme; gleichzeitig droht bei Home-Office Ablenkung, z.B. durch die eigenen Kinder. Mit einem Coworking-Space-Angebot könnten die Pendler flexibel bleiben. Zudem könnten sie Zeit, Kosten und Reisestress sparen. Sie wären näher bei ihrer Familie, allerdings ohne die Gefahr der Ablenkung. Gleichzeitig würden die beachtlichen Pendlerströme nach Zürich positiv beeinflusst.

Der nächste Schritt

Aus diesen Gründen hat der Gemeinderat im September 2018 beschlossen, die Idee des Coworking Spaces einer vertieften Prüfung zu unterziehen. «Er hat das Thema lanciert und ist nun gespannt zu erfahren, wie die wichtigen Meinungsträger der Gemeinde dazu stehen», sagt Kauflin. «Wir sind uns bewusst: Eine der grössten Herausforderungen dürfte es sein, die angesprochenen Personen zum Mitmachen zu gewinnen.» Die Erfahrung zeigt die Bedeutung einer lokalen Community, die den Coworking Space trägt.