«Weg vom Gehorsam hin zu einer Verantwortungskultur»

Caroline Märki leitet familylab.ch Schweiz

Neue Arbeitsmodelle wie dezentrales Arbeiten fordern die Vorgesetzten. Ein neues Führungsverständnis ist notwendig. Vertrauen ist Voraussetzung. Die Veränderungen in der Gesellschaft prägen die Arbeitswelt. Sie wirken ebenso in der Erziehung und der Familie. Aufgrund dieser Parallelen, gemeinsamer Werte und Ziele wollen VillageOffice und familylab.ch zusammenarbeiten. VillageOffice ist neu supportive Member von familylab.ch Association. Die Organisation, die Beratung für Familien und Führungspersonen anbietet, ist wiederum Genossenschafter bei VillageOffice.

 

VillageOffice: Sie richten Ihr Angebot an Eltern und Partner, sprechen aber auch gezielt Führungskräfte aus Wirtschaft und Schulen an. Wo sehen Sie die Verbindung?
Caroline Märki: Auch Eltern brauchen Führungs- und Beziehungsqualitäten. Bei Führungspersonen (oder allgemein Berufen, die mit Menschen zu tun haben) setze ich eine gewisse Beziehungskompetenz bereits voraus. Diese ist leider nicht immer vorhanden. Dabei ist sie das A und O für das Gelingen in der Schule oder im Betrieb.

VillageOffice: Weshalb ist sie so wichtig?
Caroline Märki: In Beziehung sein ist wichtig um Vertrauen zu fördern. In einem solchen Klima kann produktiv gearbeitet werden. Die Hirnforschung zeigt uns deutlich, dass Druck und Ausgrenzung kein besseres Verhalten hervorbringt. Die Folgen einer nicht beziehungsorientierten Führung sind: Fehlende Ausführung, Apathie, Stress, krankheitsbedingte Abwesenheit, Kündigung.

 

«In Beziehung sein ist wichtig um Vertrauen zu fördern.»

 

VillageOffice: Dezentrales Arbeiten verlangt ein auf Vertrauen basierendes Führungsverständnis. Spielt hier die Erziehung und die Familien eine wichtigere Rolle als früher?
Caroline Märki: Früher gab es nur den einen Führungsstil: autoritäre Erziehung, respektive autoritäres Führen. Individualität, Vertrauen und persönliche Verantwortung sind Wörter, die nicht in diese Gehorsamskultur gehören. Das Industriezeitalter verlangte gehorsame Menschen, die einfach ausführten. Die Welt hat sich aber verändert. Heute brauchen wir verantwortungsvolle und mitdenkende Menschen. Die Gesellschaft (Wirtschaft) braucht Menschen mit einer psychischen und mentalen Gesundheit sowie einer guten psychosozialen Kompetenz.

VillageOffice: Und wie schafft unsere Gesellschaft das?
Caroline Märki: Damit sich solche gesunden junge Erwachsene entwickeln können braucht es Eltern, die sich Gedanken zu ihrer Erziehung machen. Weg vom Gehorsam hin zu einer Verantwortungskultur – die Beziehungskompetenz im Miteinander ist heute von grosser Wichtigkeit.

VillageOffice: Die Vertrauenskultur ist Voraussetzung für dezentrales Arbeiten. Welchen Impact hat diese umgekehrt auf Familien und Partnerschaften?
Caroline Märki: Mehr Anteilnahme am Familienleben. Mehr Mithilfe, mehr Unterstützung für die Familie. Das führt zu einem zufriedenen Dasein. Ich glaube, wenn die Zufriedenheit da ist, ist man auch produktiver und effektiver im Beruf.

 

familylab.ch

familylab.ch ist eine internationale Organisation. In der Schweiz bietet sie Beratung für Familien und Führungspersonen an. Sie will die psychosoziale Gesundheit von Eltern und Kindern verbessern. Ausserdem will sie mit relevanten wissenschaftlichen Erkenntnissen im öffentlichen Dialog die Art und Weise beeinflussen, wie Männer und Frauen über ihre Familien denken und aufbauen. Am Ursprung von familylab.ch steht der in Dänemark geborene Familientherapeut und Buchautor Jesper Juul. www.familylab.ch