Coworking – eine Chance für den Thurgau

Arbeiten am Wohnort: VillageOffice untersucht mit dem Projekt «VillageOffice / Coworking als Nährboden für Impulse im ländlichen Raum» zusammen mit interessierten Gemeinden und Regionen das Potenzial von Coworking-Spaces im Thurgau. Bund und Kanton ermöglichen mit ihrer finanziellen Unterstützung die Realisierung.

40 000 Pendlerinnen und Pendler verlassen im Thurgau jeden Morgen ihren Wohnort. Nach der Arbeit kehren sie abends heim. Die Mehrheit von ihnen pendelt täglich an einen Arbeitsplatz ausserhalb des Kantons. Den Wohngemeinden bringen die Pendler Steuereinnahmen, allerdings kaum Wertschöpfung. Schlafgemeinden entstehen. Dabei böte der technologische Fortschritte vielen dieser Arbeitnehmenden schon heute die Möglichkeit, ihre Arbeit in ihrer Wohngemeinde zu leisten. Die technologischen Möglichkeiten, die Aus- und Überlastung der Verkehrsinfrastruktur stellen den Sinn des Pendelns sowohl aus ökologischer als auch ökonomischer Sicht zunehmend in Frage.

Ein neuer Dorfplatz

«Mit dem Projekt ‹VillageOffice / Coworking als Nährboden für Impulse im ländlichen Raum› klären wir nun im Thurgau das Potenzial von Coworking-Spaces gerade für ländlichere Gemeinden ab», erklärt Remo Rusca. Bei VillageOffice ist er für das Projekt zuständig. Dieses wird im Rahmen der «Neuen Regionalpolitik des Bundes (NRP)» realisiert. Neben dem Bund unterstützt der  Kanton Thurgau das Projekt. Für Rusca ist der Kanton Thurgau ideal für dieses Projekt. Mit seinen ländlichen Strukturen bietet der Kanton viel Potenzial. «Und die Behörden unterstützen neue Lösungen, um die Attraktivität und Entwicklung des Wirtschaftsstandortes zu fördern.» Die Reduktion von Pendlerströmen ist nur einer der positiven Effekte, die mit Coworking-Spaces erzielt werden. Rusca: «Als Coworkerinnen und Coworker können die ehemaligen Pendlerinnen und Pendler ihre Lebensqualität erhöhen. Der tägliche Pendlerstress entfällt. Tageweise können sie zu Fuss oder mit dem Velo in den Coworking-Space gelangen und am Mittag mit der Familie essen. Weshalb so die Vereinbarkeit verbessert wird.» Coworking generiert so Mehrwerte in der Gemeinde. Von der Belebung vor Ort profitiert das lokale Gewerbe. Dieses findet in den Coworkern neue Kunden, das Potenzial lokaler Wertschöpfung erhöht sich. Sowieso stehen die Menschen im Fokus. Ein Coworking-Space bietet ihnen einen hochwertigen Arbeitsplatz mit der technologischen Infrastruktur. Aber nicht nur. Wesentlicher Faktor für den Erfolg eines Coworking ist die Community. Der soziale Austausch ist zentral. Die Inspiration durch andere Coworkerinnen und Coworker gehört zur Grundidee. Entsprechend viel Bedeutung räumt VillageOffice dem Aufbau der Community ein.

Ergebnisse im Laufe des Jahres 2018

Die Meinungen der Einwohnerinnen und Einwohner sind im Projekt «VillageOffice / Coworking als Nährboden für Impulse im ländlichen Raum» von Bedeutung. Die Bedürfnisse der breiten Bevölkerung holt VillageOffice für dieses Projekt genauso ab wie die Meinungen von Gemeindepräsidenten und -präsidentinnen sowie lokalen Meinungsführern. Diese Meinungen werden in einer Veranstaltung vor Ort diskutiert und gemeinsam vertieft. «So können wir eine aussagekräftige Analyse über das Potenzial von Coworking-Spaces und die Communities in den Gemeinden/Städten im Thurgau erstellen», sagt Rusca. Im Moment nehmen sieben Gemeinden und zwei Regionen am Projekt teil: Es sind dies die Gemeinden Bischofszell, Erlen, Münchwilen, Romanshorn, Steckborn, Sulgen und Zihlschlacht-Sitterdorf sowie die Regionen Frauenfeld und Oberthurgau. Für diese erstellt VillageOffice jeweils eine Machbarkeitsstudie. Bis im Spätfrühling 2018 will VillageOffice mit den Gemeinden den Prozess begehen und am Ende die Ergebnisse vorlegen.